FÖRDERPREIS NRW AN OLIVER USCHMANN


LAUDATIO
Förderpreis des Landes NRW für junge Künstlerinnen und Künstler 2008
(Quelle: Katalog zur Veranstaltung, hrsg. v. Ministerpräsident des Landes NRW, Düsseldorf 2008)

"Bemühen wir uns erst gar nicht, jenen hohen Ton zu treffen, mit dem mitunter Literatur-Juroren ihre Entscheidungen zu adeln pflegen. Sagen wir es lieber lapidar: Die 'Wandelgermanen' von Oliver Uschmann haben einfach Spaß gemacht, ein Roman, der sich an einem Tag der Muße - pardon: in einem Rutsch lesen lässt. Nun ist eine solch' konsumptive Lesehaltung noch kein Indiz für die Qualität von Literatur, allerdings spricht sie auch nicht dagegen. Dieser Hinweis ist wichtig, haben wir es bei dem prämierten Buch doch mit einem Unterhaltungsroman zu tun und daher (so tautologisch dies auch klingen mag) mit einer Literatur für Leser.

Aufmerksame Spannung bei der Lobrede zu den Wandelgermanen.

Wer versucht, von diesem im besten Sinne des Wortes eigenartigen Roman eine Inhaltsangabe zu geben, dürfte mit nicht viel weniger als 381 Seiten auskommen, und dies ist der tatsächliche Umfang der "Wandelgermanen". Vielleicht daher nur so viel: Zwei junge Pärchen ziehen von Bochum aufs Land, sogar in ein richtiges Eigentum, das - eBay sei Dank - spektakulär günstig ersteigert werden konnte. Vor Ort des neuen Besitzes wird manches klarer: Dass das Haus zum einen eine formidable Bruchbude ist und zum anderen unter Denkmalschutz steht; dass in der Nachbarschaft naturverbundene 'Wandelgermanen' ihr Wesen treiben, eine Vorliebe für Wehrsportübungen in den umliegenden Wäldern hegen, aber ansonsten für die Renovierung des Hauses unverzichtbar sind; dass Baumärkte zu Orten werden, an denen sich die Zukunft entscheidet, und dass ein Scheitern auch Freundliches haben kann, fast etwas Liebenswertes, auf jeden Fall aber Unterhaltsames. Vielleicht wäre es zu hoch gehängt, würde man im Roman das Sittengemälde einer Generation sehen. Aber er zeigt junge Menschen auf dem verzweifelten Weg ins geordnete Leben. Er beschreibt mit feinem Sinn für die Absurditäten des Alltags, wie eine Stadtverwaltung so unzugänglich und geheimnisvoll wie das Schloss bei Kafka sein kann und Restauratoren, deren Namen wie bei Rumpelstilzchen allenfalls geraunt werden, sich zu mythischen Figuren erheben. Dies alles wird in einem Ton erzählt, der leichtfüßig genug ist um zu unterhalten, witzig genug um zu inspirieren und geistreich genug um zu wirken. Auch damit hat der gebürtige Weseler Oliver Uschmann Spuren seines bisherigen Werdegangs hinterlassen - mit seinem Studium der Germanistik, seiner Leidenschaft fürs Erzählen und seiner Erfahrung als Werbetexter.

Die Verleihung des Preises.

Vielleicht sollte man dieses Buch einmal verfilmen, mit Detlev Buck als Regisseur. Dann säße man im weichen Kinosessel, sähe die komischen Wandelgermanen bei ihren Verrichtungen, sähe Häuser halb im Erdreich versinken und bei allen Beteiligten den komischen Versuch, das Leben als Wanderbaustelle zu meistern. Die Zeit bis zum Kinostart lässt sich auch gut überbrücken, mit der sehr kurzweiligen Lektüre des Romans "Wandelgermanen".


Die Jury des Förderpreises NRW in der Sparte Schriftstellerei/Dichtung

Prof. Dr. Friedmar Apel, Bielefeld
Anne Linsel, Wuppertal
Dr. Lothar Schröder, Duisburg

Marius Hulpe (Preisträger Dichtung), Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (Saatssekretär für Kultur), Oliver Uschmann (Preisträger Literatur)


PS: Durch diesen Förderpreis steht die Hui-Welt nun in einer Linie mit ehemaligen Preisträgern wie Günter Wallraff, Dieter Wellershoff, Marcel Beyer, John von Düffel oder Christoph Schlingensief - das würde auch Hartmut freuen!


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